Zur Geschichte des Gemeindegebietes Feilitzsch


Seit dem 1. Mai 1978 sind die Ortschaften Feilitzsch, Münchenreuth, Schollenreuth, Unterhartmannsreuth und Zedtwitz zur Einheitsgemeinde Feilitzsch zusammengefaßt. Die Orte und Siedlungen dieses Gebietes liegen in einer schönen und abwechslungsreichen Mittelgebirgslandschaft eingebettet. Das Gebiet bildet die Nahtstelle des fränkischen Vogtlandes zu Sachsen und Thüringen. Die auch heute noch bewaldeten Höhenzüge, die das Gebiet im Halbrund von nordwest nach ost verlaufend umspannen, begrenzten offenbar zur Zeit der Landnahme den Siedlungsbereich der fränkischen Stämme. Auch heute noch verläuft die Sprachgrenze fast parallel zu dieser Linie.

Will man die Geschichte der vorerwähnten Orte ergründen, bringt schon die Frage nach der Herkunft verschiedener Ortsnamen Schwierigkeiten. Einfach ist hier die Deutung von Münchenreuth, als Rodung von Mönchen oder aber eines Vormannes mit Namen Münch. Gleichgelagert können wir den Namen Unterhartmannsreuth (sprich mundartlich "Hartmesreuth") betrachten, der sicher mit einem Hartmann in Verbindung gebracht werden kann. Schollenreuth könnte ähnlich von einem Siedler namens Scholl oder von schweren Lehm- bzw. Erdschollen, die bei Urbarmachung zutage traten, abgeleitet werden.

Die Namen der offenbar seit jeher größeren Ortschaften Feilitzsch und Zedtwitz scheinen aber aus älteren Wortstämmen abgeleitet zu sein. Die zentrale Lage von Feilitzsch und Zedtwitz zwischen Hof und den oben erwähnten bewaldeten Grenzen des fränkischen Sprachdialektes lassen vermuten, daß sie offenbar in früherer Zeit gegründet wurden und wahrscheinlich von einer zweiten Siedlungs- und Rodungswelle bereits bestanden haben. Diese These erhärten auch die Namen der vorhandenen Fließgewässer. So haben wir im offenbar älteren Siedlungsbereich die Regnitz (sprich "Regnetz") und im anschließenden Gebiet zur Grenze hin Rohrbach, Aubach, Heubach und Kupferbach.

Nach Hofner taucht als erste archivalische Schreibweise der Name Veilsch auf. Hier muß zunächst die Feststellung getroffen werden, daß Feilitzsch auch mundartlich heute noch so bezeichnet wird. Ähnlich liegt die Entwicklung bei Zedtwitz, wo in alten Benennungen von Zewetz gesprochen wird. Nach schlüssiger Auslegung geht der Name Veilsch auf Veilsdorf in Thüringen zurück. Dort soll die Familie von Veilsdorf oder Veils bereits im 9. Jahrhundert gesessen haben. Wahrscheinlich kam die Familie auf Geheiß der Vögte hierher und gründete in Feilitzsch, Trogen und Haidt ihre Sitze. Als Uradel des fränkischen Vogtlandes führen die Familien von Feilitzsch, von Zedtwitz und von der Heyde den gleichen Wappenschild, was auf das Hervorgehen aus einem Stamm verweist. Zur Entstehung des Namens Zedtwitz ist Heinrich Schubert der Auffassung, daß um 1200 ein Zweig der Familie von Veilsdorf mit dem Land belehnt wurde und an der Verbindung zwischen Hof und dem thüringischen Raum eine Wasserburg errichtete bzw. evtl. bereits vorhandene Anlagen ausbaute. Schubert ist der Auffassung, daß der jetzige Ortsname vom altdeutschen Zedewites abgeleitet wird, was "zu den Waldweiden" bedeutet.

Als ältestes Zeugnis menschlicher Besiedelung unseres Raumes dient bislang ein in Münchenreuth gefundenes Steinbeil aus der Jungsteinzeit. Das Exemplar ist besonders gut erhalten und wurde vermutlich aus heimischem Serpentin hergestellt. Da der Stein keine Bohrung aufweist, ist anzunehmen, daß er mit Sehnen an einem gespaltenen Schaft befestigt war. Beile dieser Art zählen normalerweise zu den Werkzeugen einer Kulturgruppe der Jungsteinzeit, die um 2000 vor der Zeitenwende große Teile Europas besiedelt hatte. Das Exponat wird im Museum "Bayer. Vogtland" in Hof aufbewahrt und ist dort zu besichtigen.

1100 bis 1300

Es ist davon auszugehen, daß in dieser Zeit in Feilitzsch eine Wasserburg als Stammburg im Bereich "Brauhausgasse-Regnitzstraße" bestanden hat. Zur gleichen Zeit stand auch in Zedtwitz auf dem Brugstall (jetzt "Insel" genannt) eine Wasserburg. Weiter ist davon auszugehen, daß sich in Münchenreuth, in unmittelbarer Nähe des Schlosses, eine sogenannte Trumhügelburg mit Wassergraben befand. Hier waren noch in neuerer Zeit die quadratisch angelegten Fundamente mit ca. 14 m Seitenlänge erkennbar. Die Errichtung erfolgte wahrscheinlich zur Sicherung der Straßenverbindungen nach Thüringen (Mißlareuth) und nach Sachsen (Grobau).

1390

Hier liegt die bislang erste urkundliche Amtsbeschreibung vor. Danach umfaßte der Ort Feilitzsch zwei Rittersitze und dreizehn Anwesen. Erstere waren im Besitz von Hans "Reymboth" und Jung Hans von Feyltsch, Ulrich von Feyltsch. Weiter die Bauern Cunrad Weiß, Fritz Pöler, Hans Neubauer, Hans Smid (Schmidt), Heinrich Bezold, Nicol Köppel, Heinrich Frank, Cunrad Smid, Merkel und Spitzbarth. Sitz in Zedtwitz des "Hilpald" von Zedtwitz: Die Wasserburg, ein Vorwerk und zwei Höfe, letztere mit Hanns Keil und Nickel Koch. Weitere Anwesen hatten Otto Puchbach, Walter Fritz, Berchthold, Nickel Krug, Götz Flecklein, Walther Alt, Hans Peyer und Heinrich Vetterlein. Zu Münchenreuth wird hier erstmals die Kapelle "bey Munchenreuthe" genannt.

1421

Nach dem Archidiakonatsverzeichnis von 1421 stand bei Feilitzsch eine Kapelle, die von einem Hofer Priester "besungen" wurde. Der Standort ist jedoch nicht mehr genau feststellbar, da nach mündlichen Überlieferungen sich die Kapelle am Hofberg (jetzt Steinbruchgelände) oder am Bühl (zwischen jetzigem Bühl- und Mittelweg) befunden haben könnte. Auch in Zedtwitz, wie in Münchenreuth ist jeweils das Vorhandensein einer Kapelle nachweisbar. In allen Fällen lassen sich leider die Standorte auch anhand von Flurnamen nicht mehr feststellen.

1502

Aus einem Abgabenverzeichnis der Pfarr (Pfarrei) Mißlareuth können die Bewohner der sechzehn Anwesen wie folgt entnommen werden, Hans von Beulwitz, Erhard Zerer, Nickel Perner, Jan Tauber, Jung Hans Till, Hans Beheim, Mattes Hofmann, Erhard Schlosser, Hans Eisner, Hans Tyll, Peulwitz von den Tuners Gut, Hans Hofmann, Hans Schlosser, Hans Schneider, Fritz Schmid, und Jakob Zurenner. Zur gleichen Zeit waren in Unterhartmannsreuth die Bauern Nickl Seidel, Hans Walther, Hans Hager, Caspar Kölbel, Jörg Ruesch, Heinz Sack, Hans Huber, Nickl Hager, Erhard Hübner, Simon Hager, Heinz Rauh, Paul Michel, Jakob Arnold, Cunz Ott und Caspar Arnold ansässig.

1529

Die Reformation wurde um 1529 im Hofer Land eingeführt. Hierbei kam Feilitzsch zur Pfarrei Trogen mit Pfarrsitz in Hof. Offenbar verfielen ab diesem Zeitpunkt die Kapellen in Feilitzsch, Münchenreuth und Zedtwitz. Erwähnenswert ist, daß sich mehrere Mitglieder der Familie von Feilitzsch aktiv und unter Beibringung größerer Vermögensopfer für den neuen Glauben einsetzten und auch mit Martin Luther in Briefverbindung traten.

1618 bis 1648

Aus der Zeit des "Dreißigjährigen Krieges" finden wir besonders ab 1632 Hinweise auf die schweren Zeiten, die auch für das Regnitzland angebrochen waren. So rückte bereits am 1. Januar 1632 eine Reiterkompanie des Herzoges von Anhalt - auf der Seite Schwedens stehend - in Zedtwitz ein und nahm Quartier. Am 6. Mai desselben Jahres bezogen schwedische Truppen Quartier im gesamten Gemeindebereich. Besonders schlimm soll das am 9. August eingetroffene Corb Axel Holck´s gewütet haben. Diese Armee zog raubend, plündernd und marodierend durch das Land, nahm Pferde und Wagenwerk weg und soll sogar das Getreide auf den Feldern verdorben haben. Ein Jahr später am 29. September 1633 sollen die aus Schleiz kommenden kaiserlichen Truppen in gleicher Weise gewütet haben. Bereits am 6. Februar 1634 fielen Kroaten ein und plünderten die Ortschaften von Zedtwitz bis Mißlareuth. Nahezu bis 1650 findet man derartige Aufzeichnungen, da selbst nach Unterzeichnungen des Friedens in Münster und Osnabrück am 27. Juli 1648 "eine sehr große Menge armer, verderbter Leute, aus den Kurfürstenstaaten vertrieben, als Bettelleute umherziehen mußten, welches als großes Leid anzusehen war", so die Schilderung eines Zeitzeugen. Zum Kriegsende wird noch berichtet, daß die halben Höfe des Paul Gerber, Adam Schödel, Heinrich Weinler, Sebastian Schnabel und Hans Haas, zum mittleren Gut gehörig, wüste lagen. Beim oberen Gut waren die Herbergen des Hans Bär, Hans Hofmann und Nikol Kunz verödet. In Hof wurde der Besitzer des unteren Gutes, Junker Georg Wilhelm, durch Messerstiche so schwer verletzt, daß er am 16. April 1650 verstarb. Zu Münchenreuth wird festgestellt, daß zehn Jahre nach Beendigung des Krieges von den dreizehn Anwesen sechs verfallen und unbewohnt waren.

Adelssitze in der Gemeinde

Bis in das 16. Jahrhundert sind Hinweise auf drei Rittergüte vorhanden. Sie werden bezeichnet als die Güter unteren Teils (ein Wasserschlößchen zwischen Brauhausgasse und Regnitzstraße), mittleren Teils (an der Hauptstraße im Bereich des jetzigen Schlosses evtl. unter Einbeziehung des sogenannten "Schlößla"). Diese waren insgesamt im Besitz der Familie von Feilitzsch, bis 1547 das untere Gut an die von Watzdorf ging. 1582 verkaufte Sigmund von Feilitzsch das obere Rittergut an seinen Schwager Wilhelm von Dobeneck, in dessen Familie der Besitz bis 1735 verblieb. Das Gut unteren Teils wurde bereits 1591 wieder von Dietrich von Feilitzsch erworben.

Im Jahre 1714 brannte das mittlere Gut ab und wurde nicht mehr aufgebaut. 1735 vereinigte Adam Ernst Erdmann von Feilitzsch vom unteren Gut die Feilitzscher Besitzungen durch Kauf. Diese wiedervereinigten Besitzungen gingen an Ludwig Heinrich Ernst von Feilitzsch. Der neue Besitzer ließ 1745 das obere Schlößlein abbrechen und den heutigen barocken Schloßbau ausführen. Um 1800 ließ Wilhelm Heinrich Ferdinand das Wasserschlößchen (unteren Teils) abbrechen und bis 1810 den Graben mit dem Bauschutt einebnen. Damit war das Rittergut in Feilitzsch nach dem Zuschnitt, wie wir es auch heute noch vorfinden, geschaffen. Interessant sind die Berufe der Ortsbewohner von 1810 die neben der Schmiede angegeben werden mit neun Frohnbauern, drei Bauern, drei Schneidermeister, zwei Webermeister, fünf Tagelöhner, zwei Zimmergesellen, zwei Schuhmacher, ein Mauerer und ein Müllermeister.

Offenbar bis um 1500 saß die Familie von Zedtwitz in der gleichnamigen Ortschaft. Allerdings waren hier bereits umfangreiche Verkäufe aus deren Besitzungen an das St. Clara Kloster in Hof vorausgegangen. Mit dem Ausklang des Mittelalters endete sozusagen auch die Herrschaft derer von Zedtwitz auf Zedtwitz. Von 1502 bis 1577 sind dann die Herren von Feilitzsch auf den Zedtwitzer Besitzungen nachweisbar. Abraham von Feilitzsch verkaufte 1577 seine Güter in Zedtwitz und in Schollenreuth an Utz von Ende. Bis 1638 war dann der Besitz im Eigentum dieser Familie. Besitzer wurde nun der markgräfliche Obrist Peter Reuschel, dessen Familie dann offenbar mit dem Adelstitel ausgestattet wurde. Damit waren die Zedtwitzer Besitzungen im Eigentum führender Persönlichkeiten aus markgräflichen Diensten. Lt. Kaufbrief erwarb am 1. Juni 1717 geheimer Rat Erdmann von Stein das Gut Zedtwitz, der von 1718 an die Wirtschaftsgebäude und den weitläufigen barocken Schloßbau parallel zur alten Handelsstraße von Hof nach Schleiz errichten ließ. Über die Töchter des Freiherrn von Stein, der es verstand, seine Besitzungen umfangreich zu erweitern, gelangten Schloß und Gut an die von Plotho. Mit Erich Christoph von Plotho als Minister von Friedrich dem Großen saß eine politisch hochgestellte Persönlichkeit auf Zedtwitz. 1839 wurden die Reste der zusammengefallenen Wasserburg beseitigt. 1852 ging der Gutsbesitz in bürgerliche Hände, zunächst an Kaufleute aus Thüringen, über.

Auf Gut Münchenreuth ist 1398 als Eigentümer Ritter Peter von Zedtwitz feststellbar, dessen Sohn Konrad von Zedtwitz den Sitz empfing. Das Rittergut gelangte 1488 von Hans von Zedtwitz an Friedrich von Beulwitz, dessen Familie bis 1604 auf Münchenreuth saß. Zu dieser Zeit ging dann "Stockwerk, Gemäuer, Graben samt Teichen und vier Gütern der Beulwitz" an Joseph Adam und Christoph Carl von Reizenstein über, die dann 1658 an Heinrich Wilhelm von Raitenbach verkauften. 1773 trat nochmals ein Georg von Reizenstein als Eigentümer auf, der dann jedoch bereits 1775 das Gut mit allen Lehen an Georg Heinrich Lazarus von Feilitzsch veräußerte.

Weitere Entwicklung

Einschneidende Änderungen struktureller Art brachte der Bau der Eisenbahn in der Zeit von 1844 bis 1851. 1882 wurde die Haltestelle in Feilitzsch für Stückgut- und Personenverkehr gebaut und 1883 eröffnet. Ein Jahr später errichtete man die "Postexpedition". Die neu errichtete Bahnverbindung brachte einschneidende Veränderungen in dem ursprünglich rein landwirtschaftlich orientierten Gebiet. So etablierte sich zunächst eine Wurstfabrik, die später in einen Textilbetrieb umgewandelt wurde. Eine Zwirnerei arbeitete ab der Jahrhundertwende und ein Steinbruch war jahrzehntelang von überregionaler Bedeutung. Natürlich wirkte sich auch der Dienstleistungsbereich durch die vom Königreich Sachsen gebaute Eisenbahn aus. Besonders in Feilitzsch, wie auch in Münchenreuth waren viele Bahnbedienstete ansässig. Nicht zuletzt erlangte auch das Handwerk an Bedeutung, was durch das jetzige Vorhan-densein von vier Baufirmen noch zusätzlich dokumentiert werden kann. Es entwickelte sich sozusagen aus den ehedem zu den Gütern lehnbaren Dörfern der Frohnbauern, kleinen Handwerkern und Tagelöhnern eine kulturell und wirtschaftlich aufgeschlossene Gemeinde mit engen Bindungen zur nahen Stadt Hof. Natürlich brachte diese Entwicklung auch eine sprunghaften Anstieg der Bevölkerungszahlen.

Weiter sei auf die Errichtung der Verbandshauptschule im Jahre 1977 durch den Schulverband, des Rathauses der Gemeinde Feilitzsch 1983 und der durch die Gemeinden Feilitzsch und Töpen im Ausbau befindlichen Wasserversorgung hingewiesen. Im Jahre 1978 wurde die Verwaltungsgemeinschaft mit ihrem Sitz im Rathaus Feilitzsch und den Mitgliedsgemeinden Feilitzsch, Gattendorf, Töpen und Trogen gegründet.

So ist zu wünschen, daß die schöne Landschaft mit ausgedehnten Waldungen, Wiesen und Feldern auch für die Zukunft den Menschen hier eine liebenswerte Heimat und sichere Existenzgrundlage bleiben wird.

H. Grießhammer

Quellen:
H. Hofner zur Chronik von Feilitzsch, Münchenreuth und Zedtwitz;
K. Schubert zur Chronik der Gemeinde Feilitzsch;
S. Engelbrecht zur Chronik von Zedtwitz.

 

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